Die Malinké (maninka)

(Es gibt viel Verwirrung, was die Schreibweise verschiedener Begriffe betrifft, und was sie genau bezeichnen. Das liegt viel daran, dass die Begriffe aus verschiedenen Sprachen kommen, und daran, dass die Sprachen Westafrikas oft nur gesprochen, aber nicht geschrieben werden).

Die Malinke (Mali Mann/Mensch aus Mali) leben auf der Hochebene von Oberguinea und nennen sich selbst „Maninka“. Ethnologen ordnen sie den Manden (mandeng, manding, mande, mandingo) zu. Manden ist der Oberbegriff für eine Anzahl westafrikanischer Völker mit gleichem Sprachstamm. Hierzu zählen die Malinke, Bambara, Dyula, Vai, und andere kleinere Gruppen. Als Ursprungsland der Manden sprechenden Völker gilt das von den Malinke gegründete Königreich Manden, ein Vasallenstaat des Großreiches Ghana (ca. 3. bis 12. Jahrh.). Das historische Manden-Reich umfaßte das Grenzgebiet des heutigen Guinea und Mali. Im 13. Jahrh. gelang es Sundjata. einem Sohn des Mandingo-Königs Nare Fa Maghan, das kleine Manden-Reich zu dem Großreich Mali auszudehnen, welches das alte Ghana-Reich an Ausdehnung übertraf (Malinke heißt: Mensch aus Mali). Berühmt für seine tragischen Fähigkeiten, ging Sundiata als unsterblicher Held in die Malinke-Legende ein. Er wird auch “Vater der Mandingo” genannt. Durch das Aufstreben des Songhai-Reiches im benachbarten Osten (Höhepunkt im16.Jahrh.) verringerte sich die Größe Malis. Infolge davon verlor es auch an politischer Bedeutung. Die seit dem 11.Jahrh. im westlichen Schwarzafrika stattfindende Islamisierung wurde von den Malinke zunächst nur zögernd aufgenommen. Im Verlauf der Jahrhunderte vermischten sich jedoch immer mehr islamische Elemente mit den traditionellen Religionen.

Im 15. Jahrhundert landeten die Portugiesen erstmals an der westafrikanischen Küste. In den folgenden Jahrhunderten, vor allem seit dem 19.Jahrh., bedrängte die europäische Kolonialisierung in zunehmendem Maße die inneren Angelegenheiten Westafrikas. Zu Beginn des 20.Jahrh. war die koloniale Aufteilung Westafrikas abgeschlossen. Die Bezeichnung “Französisch-Westafrika” umfaßte die von Frankreich besetzten Gebiete, zu denen auch Französisch-Guinea gehörte. Als erstes Land der französisch-afrikanischen Gemeinschaft erklärte Guinea am 12.Oktober 1958 seine Unabhängigkeit von Frankreich.

Die Malinke bilden 15% der Bevölkerung Guineas, und bewohnen das an Mali und Elfenbeinküste angrenzende Binnenland. Die Mehrzahl der Bevölkerung betreibt Ackerbau (Reis, Mais, Hirse, Maniok, Zuckerrohr, Kartoffel, Yamswurzel, Erdnüsse) und ein wenig Viehzucht. Nur wenige gehören den traditionellen Familien der Schmiede (noumou) an, die oft auch das Amt der griots ausüben (griot: mündlicher Überlieferer der traditionellen Volksgeschichte).
aus Beiheft zur CD Rhythmen der Malinke mit Famoudou Konate mit leichten Abänderungen meinerseits (Fränki B. Frank)

Im Lebensraum der Malinké werden wiederum verschiedene Gebiete voneinander unterschieden. Diese Gebiete haben nicht nur unterschiedliche Namen, sondern auch die Menschen, die dort leben, folgen wiederum anderen Gebräuchen. Die Sprache besteht aus Dialekten, genauso wie die Musik. Auch werden regional andere Instrumente benutzt, bzw. weniger oder mehr von derselben Sorte.

Die Ohren der trommelnden Welt sind seit einigen Jahren auf den Lebensraum der Malinké gerichtet, und spezielles Interesse wecken die Gebiete Hamanah und G´beredou. Es ist die Djembe und ihre Musik, die viele Menschen aus aller Welt anlockt, die Kontakte geschaffen hat, und die auch für dieses Reiseangebot verantwortlich ist. Mit dem Interesse an der Djembe Musik kam auch das Interesse an den anderen Instrumenten. Gleichzeitig wuchs auch die Neugier nach den Tänzen, den Liedern, und überhaupt nach dem kulturellen Hintergrund.

Nachdem die ersten Fragen gestellt waren, und falls die Antworten nicht in eine “passende” Schublade gesteckt wurden, um dort einzustauben, taten sich die Türen zu einer anderen Welt auf. Eine Welt, die so “primitiv” zu sein scheint, aber auf ihre Art genauso komplex ist, wie Unsere. Eine Welt, in ihrem Wesen, lange nicht so überholt und veraltet, wie wir oft glauben, und mit “Wahrheiten”, die auch unsere “modernen” Fragen beantworten können.